Hintergrund

Archäologische Funde zeigen uns, dass Bienen in ihrer heutigen Form als honigsammelnde und staatenbildende Insekten bereits seit über 30 Millionen Jahren auf unserer Erde existieren. Eigentlich ist ein Bienenvolk somit ein extrem widerstands- und anpassungsfähiger Organismus, aber seit einigen Jahren geht die Zahl der Bienenpopulationen weltweit rasant zurück. In den Medien liest man vom "Bienensterben" und das ist wohl auch nicht übertrieben. Während früher normalerweise zwischen 10 bis max. 30% der Bienenvölker über den Winter abstarben, berichten Imker heute von Völkerverlusten bis zu 80%! Betrachtet man die Ursachen, verwundert diese dramatische Entwicklung nicht:

1. Genetische Verarmung durch Überzüchtung

Das Schwärmen ist die natürliche Vermehrung eines Bienenvolkes durch Teilung. Einen Bienenschwarm beobachten zu können, gehört heute jedoch zu den wirklich seltenen Naturschauspielen. Warum ist das so? Ein klassisch arbeitender Imker wird mit allen Mitteln versuchen, seine Völker am Schwärmen zu hindern, da ein abgehender Schwarm für ihn Ertragseinbußen in der Honigernte und unter Umständen auch den Verlust eines Bienenvolkes bedeuten. Die modernen, ertragsorientierten Imkermethoden zielen alle darauf ab, die natürliche Vermehrung eines Bienenvolkes durch Ausschwärmen zu unterbinden und statt dessen künstlich geteilte Völker mit gezüchteten Königinnen zu versehen. Die züchterische Auswahl von Königinnen zielt dabei ab auf "brave", d.h. zahme Völker, die kaum zum Stechen neigen, die angenehm zu bearbeiten sind und dabei möglichst viel Honig produzieren. Durch diese an sich nachvollziehbare Vorgehensweise werden allerdings die natürlichen, seit Millionen von Jahren wirksamen Selektionsmechanismen der Natur umgangen.

Wie vermehrt sich ein Bienenvolk in freier Natur?

Fällt im Bienenvolk die Entscheidung, sich zu teilen und einen Schwarm zu bilden, werden von den Arbeiterinnen 5-10 besondere Bienenwaben, die sogenannten "Weiselzellen" angelegt. Die in diesen Zellen von der Königin abgelegten Eier werden von den Ammenbienen mit einem bestimmten Futtersaft, dem "Gelee Royale" versehen. Die besondere Zusammensetzung dieses Futtersaftes lässt aus diesen Eiern neue Königinnen heranwachsen.

Gegen Ende dieser Entwicklung wir ein Teil des Bienenvolkes mit der alten Königin zusammen den Stock verlassen und sich eine neue Behausung suchen - der Imker sagt: "ein Vorschwarm geht ab".

Die junge Königin, welche als erste aus ihrer Wabe schlüpft, wird entweder ihre langsameren Schwestern, welche sich noch in ihren Weiselzellen befinden, mit ihrem Stachel töten und als neue Königin in diesem Stock verbleiben, oder, was wahrscheinlicher ist, wiederum mit einem Teil des verbliebenen Volkes als "Nachschwarm" ebenfalls den Stock verlassen. In diesem Fall wird die zweitschnellste Junkönigin nach dem Schlüpften ihre langsameren Schwestern abstechen.

Was auf den ersten Blick grausam erscheint, macht aus evolutionärer Sicht absolut Sinn. Nur die stärksten und schnellsten Königinnen überleben und kommen zur Weitervermehrung - alle zukünftigen Bienen dieses Volkes werden von ihr abstammen und tragen somit ihre Merkmale und Eigenschaften. Damit die junge Königin für Nachkommen sorgen kann, begibt sie sich bald nach dem Schlüpfen auf Hochzeitsflug. Während diesem wird sie in großer Höhe von mehreren männlichen Bienen, den Drohnen, begattet. Hier greift ein zweiter, wichtiger Selektionsmechanismus, denn auch hier erreichen nur die stärksten und schnellsten Drohnen die Königin und kommen zur Fortpflanzung.

Diese beiden natürlichen Selektionsmechanismen ermöglichten ein Anpassen und Überleben der Bienen seit vielen Millionen Jahren - die künstliche Vermehrung durch Königinnenzucht schaltet diese jedoch komplett aus.

Rudolf Steiner (1861 -1925), österreichischer Philosoph und Begründer der Anthroposophie, kritisierte in seinen Vorträgen "Über das Wesen der Bienen" die Praxis der künstlichen Königinnenzucht und sagte bereits 1923 das Aussterben der Bienen in 50 bis 100 Jahren voraus.

2. Einseitiges und unzureichendes Nahrungsangebot

Die intensive Landwirtschaft mit riesigen Monokulturen und viel zu kurzen Intervallen zwischen dem Grünschnitt führt dazu, dass Bienen immer weniger Nahrungsquellen finden. Der grüne Schein trügt - unsere Natur auf dem Land ist eine Agrar-Industrie-Landschaft. Die Imker mit dem höchsten Honigertrag kommen heute aus den Ballungsräumen unserer Großstädte, da das Nahrungsangebot dort durch die vielen Grünanlagen, Parks und Blumenbalkone besser ist, als auf dem Land.

3. Vergiftung durch Insektizide und Pestizide

Monokulturen erzwingen den Einsatz chemischer Insekten-, Schimmelpilz- und Unkrautvernichtungsmittel. Obwohl von den Herstellern als "bienenunschädlich" beworben, schädigen sie die Bienen in ihrer Entwicklung massiv. Die in den letzten Jahren heiss diskutierte Substanzklasse der "Neonicotinoide" beispielsweise stört den Navigationssinn der Bienen, so dass diese nach dem Sammelflug nicht mehr in ihren Stock zurückfinden. Imker finden wenige Tage nach dem Ausbringen von Neonicotinoiden in der Nachbarschaft verwaiste Bienenstöcke vor mit unversorgter, verendeter Brut.

4. Schädlinge und Krankheiten

 

5. Betriebsweise und Eingriffe durch den Imker