Ein Ausweg?

Was ist Naturwabenimkerei?

In der konventionellen, auf Honigertrag optimierten Imkerei werden sogenannte „Rähmchen“ verwendet, in welchen die Bienen ihr Wabenwerk bauen. Sie wurden eingeführt, um leichter und effektiv Honig ernten zu können. Die Rähmchen können nach oben aus dem Stock, herausgehoben werden und ermöglichen so ein einfaches Auschleudern des Honigs aus den Waben.

Für die Bienen aber stellen die Rähmchen eher einen ungünstigen Einfluss in ihren Lebensraum dar. Von Natur aus bauen Bienen einen Hohlraum, ursprünglich hohle Baumstämme, von oben nach unten komplett von Rand zu Rand mit ihren Waben aus. Das Rähmchen macht dies jedoch unmöglich, da beidseitig zur Stockwand hin ein etwa 1-2cm breiter Zwischenraum übrig bleibt, welchen die Bienen nicht ausbauen können. Dieser Hohlraum stellt für die Klimatisierung des Stockes, insbesondere die Beheizung in kalten Wintern, ein Problem dar. Es entstehen Kältezonen, die natürliche Stockfeuchtigkeit kondensiert dort und es kommt zu Schimmelbildung.

Um ein gesundes Aufwachsen der Brut zu ermöglichen, kontrollieren und regulieren die Bienen permanent die Temperatur die Feuchtigkeit und den CO2-Gehalt der Stockluft. Auch die Kommunikation der Bienen läuft zum großen Teil über eine Vielzahl von Duftstoffen. All diese Faktoren geraten durch ein Öffnen des Bienenstockes aus dem Gleichgewicht. Bereits 1946 wies der österreichische Imker Johann Thür auf die ungünstigen Einflüsse der Rähmchen auf das Stockklima hin - auf ihn geht auch der Begriff der „Nestduftwärmebindung“ zurück. (http://www.seanet.com/~alexs/bien/bienenzucht_full.pdf)

Viel gravierender sind jedoch die Auswirkungen der aus der Rähmchenhaltung resultierenden Betriebsweise des Imkers. Rähmchen ermöglichen ein Herausnehmen von einzelnen Waben aus dem Wabenverbund und je leichter dies zu bewerkstelligen ist, desto häufiger wird es geschehen. Ein Entnehmen einer einzelnen Wabe aus einem Naturwabenverbund hingegen ist nicht möglich, bestenfalls sehr schwierig. Ein Auseinanderreissen seines Brutnestes ist für den Organismus Bienenvolk jedoch ein gravierender Eingriff. Vergleichbar mit der Amputation oder Transplantation eines Organs beim Säugetier. Gerade dies geschieht in der konventionellen Imkerei jedoch regelmäßig. Waben werden herausgezogen, um den Zustand des Volkes begutachten zu können, um Krankheiten zu diagnostizieren, um Weiselzellen zu finden und gegebenenfalls herauszubrechen. In regelmäßigen Abständen werden sogar komplette Rähmchen mit Drohnenbrut aus dem Stock entfernt, um den Befall durch die Varroa-Milbe zu vermindern. Dass dabei bis zu 3.000 Drohnenlarven abgetötet werden, nimmt der Imker billigend in Kauf. Man kann festhalten, dass sich mit der Einführung der Rähmchen für den Imker eine Reihe neuer Eingriffsmöglichkeiten eröffneten, welche natürlich auch ausgiebig genutzt werden. Dies geschieht in den seltensten Fällen zum Wohle des Bienenvolkes.

Der klassisch arbeitende Imker bereitet seine Rähmchen für den Einsatz im Bienenstock vor indem er künstlich hergestellte Wabenmittelwände einsetzt. Auf diesen vorgezeichneten Waben sollen die Bienen schneller ihr Wabenwerk aufbauen. Bienen bauen von Natur aus ihre Waben aber völlig anders. Diese wachsen organisch wie der Knochen eines Körpers mit dem wachsenden Bienenvolk. Die Größen der einzelnen Wabenzellen sind unterschiedlich, je nach Bedarf des Volkes werden mehr kleine Arbeiterinnen- oder mehr größere Drohnenzellen angelegt. Dies wird durch die völlig einheitliche Mittelwand unterbunden. Die Kommunikation der Bienen im Stock läuft neben den Duftstoffen zum großen Teil über Schwingungen und Frequenzen. Die Bienen tanzen auf ihren Waben und "trommeln" mit ihren Hinterleibern auf die Waben. Über die dünnwandigen, filigranen Naturwaben werden diese Schwingungen weiterleitet. Die künstlichen Mittelwände jedoch sind hierfür zu grob und dickwandig, die Kommunikation im Stock ist gestört.

Den Bienen geht es auf Naturwaben besser, aber auch dem Imker bietet der Verzicht auf Rähmchen einige Vorteile, die das schwierigere Ernten des Honigs mehr als aufwiegen

  • es werden keine Rähmchen benötigt
  • es werden keine Mittelwände benötigt
  • das Einlöten der Mittelwände in die Rähmchen entfällt
  • das Reinigen alter Rähmchen entfällt
  • das wöchentliche Öffnen und Auseinanderreissen der Stöcke entfällt